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Im Vier(1/2)pack für Musik-Erfolge

Matthias Beckert, Christoph und Madlen Hiller und Andreas Meyer

Es muss ein wundervoller Moment - sowohl für die ganz jungen, als auch für die erfahrenen Mitglieder des Suhler Knabenchores gewesen sein, als Matthias Beckert nach dem erfolgreichen Weihnachtskonzert sagte: „Ich bin stolz auf euch. Ich bin stolz darauf, was ihr erreicht habt.“ Um das noch zu unterstreichen betonte er, „es ist wirklich außergewöhnlich, dass die Leute in einem Konzert Bravo rufen “. Wenn diese Sätze nun bereits wieder fast zwei Monate her sind, fielen sie jedoch nach einem sehr kurzen Zeitraum. Denn Matthias Beckert ist seit Sommer des vergangenen Jahres der neue Künstlerische Leiter des Suhler Knabenchores. Ihm zur Seite stehen seit dieser Zeit Christoph Hiller und Madlen Hiller, die damit die Nachfolge von Markus Teutschbein antraten, der die Leitung der Suhler Singakademie und des Suhler Knabenchores von 1999 bis 2007 innehatte.

Fast schon ein „Alter Hase“ ist Andreas Meyer. Der Heilpädagoge und Musiktherapeut hatte 2004 erstmals die Musikalische Früherziehung für interessierte Jungen ab einem Alter von vier Jahren im Suhler Knabenchor übernommen und führt auch nach dem Leitungswechsel die jungen Sänger mit Freude und Spaß an die Musik heran. Durch seine Schule im Vorchor, wechseln sie in den Nachwuchschor und ab ca. acht, neun Jahren in den Hauptchor mit Proben je für Sopran und Alt zu den drei Neuen, die mit einem neu eingeführten Probensystem äußerst effektiv arbeiten und eine zielgerichtete Förderung ermöglichen. Mit den geteilten Proben - Matthias Beckert fördert intensiv die A-Knaben, während Christoph Hiller in der gleichen Zeit mit den B-Knaben noch spielerischer übt - wird je nach Können der Knaben konzentrierter gearbeitet, wobei jeweils am Ende ein gemeinsamer Teil absolviert wird.

Stimmbildnerin Madlen Hiller ist wie ihr Mann Christoph, zweimal wöchentlich, dienstags und donnerstags, aktiv. Dann holt sie die A-Knaben einzeln und die B-Knaben in Zweiergruppen zu je 20 Minuten separater Ausbildung. Immer mit dabei ist Tochter Sarah, die ab vergangenem Sommer, damals gerade einmal ein viertel Jahr alt, im Tragetuch auf Mamas Bauch, alles mitverfolgt. Was anfangs etwas ungewöhnlich anmutete, nahmen die Knaben als selbstverständlich. Im Gegenteil, die kleine Sarah förderte den Gewöhnungsprozess, weil sie die Sänger - nicht nur die ganz kleinen - immer wieder verzaubert. Das alles passiert mit einer bewundernswerten Ruhe, als wäre es für ein Baby ganz normal, den Arbeitstag der Eltern mit zu begleiten. Und wenn die Kleine – inzwischen bereits mehr als ein halbes Jahr alt – bereits fleißig bei ihr ganz besonders anmutig erscheinenden Tönen fleißig „mitgurrt und –singt“, so steckt ihre Freude die der Knaben nur noch an. Madlen Hiller lässt mit verschiedenen Übungen die Knaben den Klang ihrer Stimme erleben. „Denn anfangs wissen die Jüngsten gar nicht, wie sie mit ihrer Stimme umgehen sollen. Dann arbeite ich sehr viel mit Bildern oder überliste die Sänger, besonders um hohe Töne zu singen.“, sagt sie. Tom, acht Jahre alt, steht in gewisser Entfernung vor dem Klavier. Die vorgespielten Töne singt er nach. „Um dem O auf die Sprünge zu helfen, machen wir es jetzt wie mit dem Eis am Stiel“, erklärt sie. Tom versteht, nimmt einen Finger in den Mund – und das O kommt rund. „Jetzt schauen wir einmal, wie tief du kommst“, bereitet sie mit der staunenden Sarah auf dem Bauch, Tom auf die nächste Übung vor. Und damit der tiefst mögliche Ton auch erwischt wird, soll er von Tom ganz locker - der wie ein geschüttelter Baum steht - hervorgeholt werden. Es klappt. Tom rüttelt immer tiefere Töne empor. Mit dem Vergleich mit der „Sonne“ geht es tonweise in die entgegengesetzte Richtung immer höher hinauf. „Für die Knaben ist das gute Singen ungemein wichtig, genau wie der Fakt, dass sie ein gutes Verhältnis zu ihrer Stimme entwickeln“, so Madlen Hiller, die neben dem Studium der Schulmusik, Stimmbildung und Elementarer Musikpädagogik an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar auch eine umfangreiche Gesangsausbildung absolvierte. Zugleich ist sie unter anderem in einem Pilotprojekt an einer Grundschule in Jena integriert, bei dem es um die Wirkung elementarer Musikpädagogik von Bewegung bis zum Musikhören an sozialen Brennpunkten geht.

Matthias Beckert, der Schulmusik, Orchesterleitung und Kirchenmusik studierte und seit 2001 Dozent für Chorleitung an der Hochschule für Musik in Würzburg ist, lieferte mit dem Weihnachts- und zugleich ersten Konzert der Suhler Knaben den Beweis, mit seiner Handschrift in Suhl gut gelandet zu sein. „Toll war, dass wir im Sommer mit den Jungs bereits gemeinsam in das Chorlager starteten“, sagte er. Hier boten sich nicht nur über den Unterricht, das gemeinsame Singen, sondern vor allem auch durch die miteinander verbrachte Freizeit, beim Fußballspielen und vielem mehr, optimale Möglichkeiten sich kennenzulernen und zu finden. Seine Auffassung ist nicht nur gemeinsam zu arbeiten, sondern auch miteinander Spaß zu haben. Deshalb ist ihm das Lachen ebenso wichtig wie die zielgerichtete Ausbildung und Förderung der Knaben.

„Auf genau einer solchen Basis, die menschlich stimmt und harmoniert, lassen sich gut Werte vermitteln“, bestätigt Christoph Hiller, der Schulmusik und Chordirigieren an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar studiert, derzeit mitten in den Examensprüfungen für Jazz und Gesang steckt, einen Jazzchor gründete, im Jazz-Trio spielt sowie im Kammerchor und im Gesangs Ensemble „Viermalzwei“ singt und sich auch der Chormusik in Richtung Pop und Gospel widmet. Auch sein Einfluss wird den Suhlern nicht lange verborgen bleiben. Denn spätestens wenn am 25. Mai das traditionelle Frühlingskonzert im Oberrathaussaal erklingt, werden teilweise moderne Stücke integriert sein. „Besonders im Pop-Bereich gibt es vieles, was mit einem Knabenchor machbar ist, woran die Sänger und Zuhörer sicherlich viel Freude haben werden“, macht er bereits jetzt schon neugierig auf eine bunte Mischung zum Start in den Lenz. Auch Christoph Hiller ist die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen vertraut. Denn bereits im Rahmen seiner Ausbildung sammelte er Chorerfahrung – diese jedoch mit Mädchen und Jungen. Auch er fühlt sich in Suhl gut gelandet. „Das empfand ich bereits beim Vordirigieren“, erinnert er sich. „Mir fiel sofort auf, der Chor will und kann schnell umsetzen, da musste man manchmal sogar bremsen. Mir macht es hier Spaß und ich nehme für mich selbst sehr viel mit. Schließlich spürt dieses positive Gefühl aller auch das Publikum.“

Zeitung: Wochenspiegel Suhl vom 05.02.2008, Autorin: Frau Lemme

 


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