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Presse

Der Suhler Knabenchor erfreute das Publikum in Zella-Mehlis und Suhl mit feinen Weisen.
Ein wohlklingender Frühlingsgruß
Welcher Anblick kann für Künstler wohl schöner sein, als ein Saal voller erbauter Besucher und stürmischer Applaus? Davon sind auch die Jungs des traditionsreichen Suhler Knabenchores nicht ausgenommen. Gleich zweimal Freude diesbezüglich, denn das Ensemble unter Leitung von Matthias Beckert sang sowohl am Samstagnachmittag in der Magdalenenkirche in Zella-Mehlis, als auch am Sonntagnachmittag im Suhler Oberrathaussaal vor dicht besetzten Reihen.
Freude aber ebenso beim Publikum, kam es doch da wie dort in den Genuss eines stimmungsvollen Frühlingskonzertes, das man so recht nach Herzenslust genießen konnte. Zumal der Frühling sich am Samstag von seiner besten Seite zeigte und die angenehme Kühle in der Magdalenenhöhe den Knaben weniger Mühe bereitete als einen Tag darauf die drückende Luft im Oberrathaussaal. Da musste vor allem manch jüngerer Sänger gelegentlich auf den Stufen verschnaufend Platz nehmen.
Ins Schwitzen kam auch Matthias Beckert im dunklen Anzug, der sich für eine runde Stunde mit seinen Knaben ein anspruchsvolles Ziel gestellt hatte.
Gelegentlich spielte er die eine oder andere Weise schon einmal am Klavier an, um dann den Chor a-cappella wie Frühlingsblumen aufblühen zu lassen. Wenn dann zu Beginn die Allerjüngsten - so fünf, sechs Jahre alt - zum Singen ansetzen, dann muss einfach jedem Zuhörer das Herz aufgehen. Stolz präsentiert Matthias Beckert den stetig wachsenden Nachwuchschor, der in beiden Konzerten erstmals auf der Bühne steht und frisch von der Leber weg „Guten Tag, liebe Leute" oder das „Käferlied" zwitschert. Manch Kleiner scheint die Lieder überdies noch mit den Händen formen zu wollen und zählt gelegentlich schon mal die Pünktchen auf den Flügeln der Käfer an den Fingern nach.
Beckert hat dem Chor eine Struktur gegeben, und diese prägt auch das Konzept des Programms, das sich im Übrigen fast ausschließlich auf mehr oder weniger bekannte, leichtere und schwierigere mehrstimmige Frühlingslieder konzentriert. Die hat er ziemlich gründlich geprobt, und dabei führt er die Knaben gelegentlich schon an Grenzen. Hervorzuheben unbedingt auch, dass alle Stücke auswendig gesungen werden. Vor allem für die Jüngeren ist das eine beachtliche Leistung, denn neben der eigenen Melodie muss obendrein der oftmals mehrstrophige Text beherrscht werden. Den umfassenderen Teil der Aufführung gestaltet der Hauptchor mit Klassikern des Chorliedguts quer durch die Jahrhunderte - von Brahms „Da unten im Tale" oder „Tanzen und Springen" von Hassler aus dem 17. Jahrhundert. Auch Dowlands populäre Komposition „Come again", die selbst Sting auf seinem neuen Dowland-Album singt, gehört zu diesem Frühlings-Entree. Mit sichtlicher Freude packen die Jungen das mittelalterliche Echolied von Orlando di Lasso. Matthias Beckert hat den kleineren Echochor effektvoll am anderen Ende des Raumes platziert.
Nicht einfach diese räumliche Trennung, doch seine Jungs verfolgen die Zeichengebung exakt, damit aus dem Echo auch ein richtiges Echo wird.
Der zwölfköpfige Männerchor setzt mit Volksliedern wie „Ännchen von Tharau" oder „Der Jäger längs des Weiher ging" stimmliche Achtungszeichen, und Beckert steht ihnen verstärkend zur Seite. Ganz besonderen Spaß finden sie offensichtlich an des „Schneiders Jahrestag" - ein Lied, dass auch der Männerchor der Singakademie immer mal wieder bravourös aus dem Repertoire packt -hier zeigen sie dynamische, beinahe theatralische Gestaltungskraft und schon Souveränität im Vortrag. Fast ganz zum Schluss gibt's noch eine Belohnung für alle Jungs des Hauptchores, Rammsteins genialen „Engel". Man glaubt gar nicht, dass die harte Rockband so softige, lyrische Töne anschlagen kann. Aber Rammstein-Fans, die wissen das natürlich. Dass Suhls OB dazu gehört, wäre gut denkbar, denn den Text hat er beim Zuhören auch auf den Lippen und lächelt versonnen dabei...
Ob in Zella-Mehlis oder in Suhl: Das Publikum bedankte sich mit stürmischem Applaus für die Leistungen des Knabenchores unter Matthias Beckert.
Zeitung: Freies Wort vom 01.06.2010, Autorin: Frau Lilian Klement, Chefredakteurin |