Presse

Welterstaufführung - Marx, Reger, Zimmermann
Ausverkaufte Konzerte
Ausverkaufte Konzerte - am Samstagabend und am Sonntagnachmittag in der Neubaukirche in Würzburg/Unterfranken — Uraufführungen und begeisterter Applaus — die jüngste Konzertreise der Vogtland Philharmonie wird als Erfolg verbucht. Die Zuhörer hatten sich nach dem Finale von ihren Plätzen erhoben und im Stehen applaudiert.
Für die Musiker aus dem Vogtland erwies sich die Zusammenarbeit mit dem Würzburger Monteverdichor, einem der besten Konzertchöre Deutschlands, als beeindruckend. Fast zufällig war das Projekt aus der Taufe gehoben worden:
Der bekannte Würzburger Dirigent Matthias Beckert war im vorigen Jahr auf die Philharmonie aufmerksam geworden. Die erfolgreiche Aufführung von Antonin Dvoraks „Requiem" mit der Suhler Singakademie war der Anlass für die Einladung nach Würzburg. Das Unternehmen hatte es in sich: Drei Erstaufführungen von Werken der Komponisten Joseph Marx und Heinz Werner Zimmermann, dazu chorsinfonische Stücke von Max Reger standen auf dem Programm der Würzburger Konzerte. Der Orchesterpart war mit großem Instrumentarium, die Bläser drei- und vierfach besetzt, Einzelregister mehrfach geteilt - eine Herausforderung: Mit fünf Orchesterproben in Reichenbach hatte Beckert den Auftritt vorbereitet. „Jch kann die Zusammenarbeit mit dem Orchester nur loben. Der konstruktive Fortschritt von Probe zu Probe, wie musikantisch und diszipliniert das Ensemble gearbeitet hat - das war professionell", versicherte Beckert. In Würzburg folgten die Gesamtproben mit den Solisten und den Chören - etwa 200 Mitwirkende vereint.
Das Abendprogramm begann mit der deutschen Erstaufführung des „Herbstchores an den Pan", eines der bedeutendsten chorsinfonischen Werke des Österreichers Joseph Marx. Die Dichtung aus der Feder des Schriftstellers Friedrich Hebbel ist dabei zu einer gewaltigen Apotheose der Herbststimmung entfaltet. Neben den Hauptakteuren wirkten der Suhler Knabenchor und ein Organist mit - eine effektvolle, kaum steigerungsfähige spätromantische Klangdimension! Beeindruckend die bestechende Intonation, Ausdrucksgestaltung und die Schönheit des Chorklanges der 120 jugendlichen Sänger des Monteverdichores und ebenso die künstlerische Leitung von Matthias Beckert, der als Dirigent das komplexe Werk sicher im Griff hatte.
Die Welturaufführung des „Neujahrshymnus" von Jospeh Marx avancierte zum wertvollsten musikhistorischen Ereignis des Konzerts. Die Musikexperten der Joseph-Marx-Gesellschaft Wien, Stefan Esser und Berkant Haydin, hatten dieses nur in der Tonspur einer Filmmusik belegte Werk zu einer Fassung für gemischten Chor und sinfonischer Begleitung bearbeitet - ein bis ins Detail gelungenes Projekt, dessen pathetisch ausladende Mächtigkeit beim Publikum viel Anklang fand.
Originär dazu standen die großartigen Tonschöpfungen von Max Reger. Es erklangen das „Requiem" op. 144b, und „Der Einsiedler" op.144a. Besonders das Requiem beeindruckte mit Eindringlichkeit. Tiefe und Kontrastwirkungen, die dem Orchester alles abverlangten — eine glaubwürdige und fantastisch gelungene Interpretation. In beiden Werken erwiesen sich die Solisten Barbara Bräckelmann (Mezzosopran) und Albrecht Pöhl (Bariton) als exzellente Besetzungen.
Das zum Schluss erklingende „Te Deum" von Heinz Werner Zimmermann entlastete die spätromantische Spannung des anspruchsvollen Programms. Das Publikum feierte mit riesigem Applaus den hochkarätigen Kunstgenuss und huldigte auch den Komponisten, der die Würzburger Erstaufführung mit viel Lob bedachte.
Zeitung: Freie Presse Reichenbach 16.2.2011, Autor: Herr Wolfgang Horlbeck
|